Im Fernsehen gabs gestern was fürs Gemüt: Briefe von Henrik Ibsen vorgelesen auf Norwegisch mit schwedischem Untertitel. Oder für die die's politisch mögen: Österreicher äussern ihre Meinung über Haider auf Englisch, synchronübersetzt ins Englische ebenfalls mit schwedischem Untertitel.

Auf dem freien Waldstück vor meiner Arbeitsstelle, auf dem neulich noch die großen Felsensprengungen stattgefunden haben, ist jetzt eine gigantische Baustelle mit Dutzenden von Fahrzeugen und einem ewig-langen Draht-Bauzaun, der den Fußweg zur Pendeltågsstation auf eineinhalb Meter einengt. Genau zu der Zeit, als der letzte Schnee geschmolzen und der Matsch eingesickert ist, wird der Fußweg mit Baustellendreck zugekleistert. Ich aber, nicht dumm, habe heute Turnschuh an.

7. Februar 2000

Dörrcode

Ein Phänomen in Schweden, das Gewohnheitsbedürftig ist, ist der Dörrcode (Türcode). Wer nicht in Schweden aufgewachsen ist, der ist daran gewöhnt, dass er sich von einem Menschen, den er besuchen will, die Straße und die Hausnummer merkt. In Schweden genügt das aber nicht, man muss sich auch den Dörrcode merken. Einen solchen Code, eine vierstellige Zifferkombination, die man drückt, um zur Tür reinzukommen, gibt es auch in anderen Ländern. Das besondere in Schweden ist aber, dass es an der Haustür von Mehrfamilienhäusern keine Klingeln für die einzelnen Parteien gibt, so dass man, wenn man den Dörrcode vergessen hat, seinen Gastgebern nicht mal signalisieren kann, dass man drunten auf dem Trottoir steht und wartet.

Genau das ist mir heute passiert, als ich bei Jan vor der Haustür stand. Die Zahl der Dörrcodes, die ich mir eigentlich merken müsste, ist mit der Zeit ganz schön angestiegen, und manche sind sich so ähnlich, dass man sie irgendwann wirklich nicht mehr auseinander halten kann.

Was tut man in so einem Fall?

Die Schweden haben dafür ihr Mobiltelefon dabei. So was besitze ich nicht, aber immerhin habe ich besonderes Glück und genau in der Nähe steht ein vollkommen unzerstörtes Telefonhäuschen und ich habe auch noch zufällig eine Telefonkarte dabei, auf der sogar noch was drauf ist. Aber ganz so einfach ist es auch wieder nicht. Zum Telefonieren muss man die Telefonnummer wissen. Die weiss ich natürlich nicht. Aber wieder lässt mich mein unbeschreibliches Schweineglück nicht im Stich! Genau in diesem Telefonhäuschen, mitten auf dem Sveavägen, auf dem am Samstagabend mindesten zweitausend Besoffene rauf und runtergegrölt sind, sind am Sonntag in der Früh noch alle Telefonbücher da.

Aber jetzt kommt die nächste Schwierigkeit. Zum Telefonnummern suchen braucht man den Nachnamen. Es ist mir zwar furchtbar peinlich, aber weil man in Schweden nur den Vornamen verwendet, fiel mir Jans Nachname nicht ein. Zumal polnische Nachnamen nicht unbedingt für uns geläufig sind. Irgendwas mit M. M...M...

Ich hab ihn Gottseidank noch in den gelben Seiten gefunden, und bin nur ein ganz ganz kleines bischen zu spät gekommen.